Geschichte der Mölbiser Kirche

Erste Erwähnung

Laut schriftlicher Überlieferung wurde spätestens im 14. Jahrhundert in Mölbis eine Kirche errichtet. 1488 ist erstmals ein Pfarrer in Mölbis dokumentiert. ([1], S. 303)

Die romanische Rundbogenpforte, die noch heute den Eingang zur Kirche bildet und bei der umfassenden Erneuerung des Kirchengebäudes Ende des 17. Jahrhunderts (s. u.) erhalten blieb, lässt vermuten, dass bereits im 13. Jahrhundert in Mölbis eine Kirche stand.

Neubau als barocke Kirche

1633 bis 1688 ließ Christoph Dietrich von Bose d. Ä. auf seine Kosten an der Stelle der alten Kirche eine von Grund auf neue als Nachbildung der Moritzburger Schlosskapelle errichten. Die Rundbogenpforte wurde dabei wiederverwendet. Elf Jahre später ließ er an der Ostseite über dem Altar eine Orgel einbauen. Christoph Dietrich von Bose stattete die Kirche darüber hinaus mit einem Vermächtnis zur baulichen Erhaltung aus. 1708 wurde er in der Kirche beigesetzt. Zur neuen Ausstattung der Kirche gehörte auch ein Altarbild von Lukas Cranach d. Ä. "Die Austreibung der Wechsler und Händler" (gemalt um 1510), das heute in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden zu sehen ist. Eine Turmuhr hatte die Mölbiser Kirche ebenfalls aufzuweisen.  ([1], S. 303 - 304)

Renovierungen

1878 wurde die Kirche renoviert. Mit der Ausführung der Arbeiten wurden Handwerker aus Großpötzschau und Stötteritz betraut. Die Innenausstattung der Kirche war prächtig; als Details seien ein kunstvoll geschnitztes hölzernes Taufbecken mit einer prachtvoll verzierten Schale aus Zinn, das kunstvolle schmiedeeiserne Gitter vor den Begräbnisräumen und die Kanzel hervorgehoben. Im Zuge der Arbeiten wurde auch eine neue Orgel mit 47 Orgelpfeifen aus Zinn eingebaut. 1913 wurde sie renoviert, mit einem neuen Gebläse versehen und erweitert. 1917 wurden die Prospektpfeifen beschlagnahmt; nach dem Ende des ersten Weltkrieges wurde die Orgel wieder instand gesetzt ([1], S. 304, ).

Im Zusammenhang mit dem 250-jährigen Kirchenjubiläum wurden 1937 Renovierungsarbeiten durch den Mölbiser Baumeister Paul Kittler ausgeführt und von der Mölbiser Firma Rudolf Melzer eine elektrische Beleuchtung installiert. 1939 wurde das Kirchendach neu eingedeckt ([1], S. 305).

Kriegsschäden und Instandsetzung

Beim Luftangriff am 5. März 1945 wurde auch die Mölbiser Kirche getroffen. Die Druckwelle deckte große Teile des Dachs ab. Schutt durchschlug an mehreren Stellen die Kassettendecke. Fenster und Türen zerbrachen. ([1], S. 305) Die Bemühungen um eine schnelle Wiederinstandsetzung wurden umgehend aufgenommen, die Beschaffung von Material und Geld gestaltete sich jedoch schwierig. Unter anderem wandte sich die Kirchgemeinde im Dezember 1946 an die Bauabteilung des benachbarten Kombinats Espenhain mit der Bitte um Unterstützung durch Lieferung von Dachsteinen und Dachfirsten und bot als Gegenleistung Eichenrundholz im normalen Wertausgleich an.

Die Kirchgemeinde Borna gewährte ein Darlehen und das Landeskirchenamt in Dresden einen zinslosen Überbrückungskredit in der Erwägung, das Gemälde von Lucas Cranach zu erwerben. Der Kirchenchor steuerte die Erlöse aus einer musikalischen Feierstunde zugunsten des Wiederaufbaus bei. Nachdem der Dachstuhl fünf Jahre der Witterung ausgesetzt war, erfolgte im Sommer des Jahres 1950 unter Pfarrer Resche die Neueindeckung. Neue Glasfenster wurden 1951 eingesetzt. Der Kirchenvorstand bemühte sich um Mittel für die Instandsetzung der zwischenzeitlich ausgelagerten Orgel. ([1], S. 305)

In der Amtszeit von Pfarrer Klaus-Peter Behnert wurde die Kirche von 1963 bis 1965 zur Wiedernutzbarmachung instand gesetzt. Im Zuge dessen wurden die Grufträume samt Patronatsloge und Vorraum abgerissen und verfüllt. Die Kanzel und der Anbau zur Sakristei wurden ebenfalls entfernt. Die marmorne Grabplatte von General Adam Heinrich von Bose und dessen Frau, die schmiedeeisernen Gitter und das Taufbecken verschwanden, die Kanzel wurde abgerissen und vernichtet. Der Altar wurde neu aufgebaut. Zu Himmelfahrt 1965 wurde die frisch renovierte Kirche eingeweiht und wieder in Betrieb genommen ([1], S. 306).

Umweltbewegung

Aggressive Gase und Schmutz vom benachbarten Werk Espenhain, bestehend aus Schwelerei, Kohlefabrik, Brikettfabrik und zwei Kraftwerken, technisch veraltet und verschlissen, zogen nicht nur die Fassade der Kirche stark in Mitleidenschaft. Vor allem beeinträchtigten sie die Gesundheit der Mölbiser und machten den Ort eigentlich unbewohnbar. Wohl auch deswegen stieß die von der Kirche ausgehende Umweltbewegung auf Zustimmung unter den Einwohnern, bei Christen wie Nichtchristen. Siegfried Rüffert, damals Pfarrer in Mölbis, berichtete zum Kirchentag 1983 in Dresden über innere und äußere Zustände in Mölbis. (Quelle: CUR-Archiv)

Am 23. Mai 1983 hielt das Christliche Umweltseminar Rötha (CUR) in Mölbis seinen ersten Umwelt-Gottes­dienst ab (etwa 500 Telnehmer). Weitere folgten in Mölbis am 16. Juni 1984 (etwa 1000 Teilnehmer) und am 21. Juni 1987 (mit Podiumsdiskussion und Wallfahrt, Gottesdienst-Predigt: Pfarrer Friedrich Schorlemmer). Im Juni 1988 wurde die Aktion "1 Mark für Espenhain" ins Leben gerufen, die auch überregional auf die katastrophale Umweltverschmutzung im Südraum von Leipzig aufmerksam machte. Pfarrer Karl-Heinz Dallmann, der die Pfarrstelle Espenhain und Mölbis 1986 übernommen hatte, beteiligte sich aktiv an den umweltpolitischen Aktionen. Obwohl weder Spenden- noch Unterschriftensammlungen in der DDR staatlich akzeptiert waren, kamen 100.000 Unterschriften und 100.000 Mark der DDR zusammen. Aus der Umweltbewegung war eine oppositionelle Bewegung geworden, die schließlich mit zur friedlichen Revolution führte. (Quelle: CUR-Archiv)

Die politische Wende bewahrt den Ort vor der 1988 von der DDR-Regierung beschlossenen Devastierung. Im Sommer 1990 werden die Betriebe in Espenhain stillgelegt. Am 2. Oktober 1990 startet unter Gründung der DEG (Dorfentwicklungsgesellschaft Mölbis e. V.) das "Projekt Hoffnung" mit dem Pflanzen der Hoffnungslinde unweit des Pfarrhauses.

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Nach der Wende

In der Amtszeit von Pfarrer Dallmann erfolgt in der ersten Hälfte der 1990-er Jahre die Sanierung der Fassade (Außenputz, Anstrich) und des Turms (Dachkuppel, Schiefer, Verblechung). Unter Leitung von Pfarrer Stephan Vorwergk (2011 - 2020) erhält die Kirchfassade einen neuen Anstrich in gelb entsprechend dem ursprünglichen Erscheingungsbild der Kirche und wird das Pfarrhaus saniert.

Sperrung des Kirchgebäudes

Im Zuge geplanter Sanierungsarbeiten am Glockenturm stellt ein beauftragter Gutachter 2017 fest, dass sowohl Dach als auch Kirchenraum nicht nur aus bautechnischer Sicht stark geschädigt, sondern außerdem mit krebserzeugenden, genverändernden und reproduktionstoxischen Stoffen aus Holzschutzmitteln belastet sind. 

Hier finden Sie nähere Informationen zum Sanierungsbedarf.

Zur Vermeidung weiterer Gesundheitsgefährdung wird die Kirche umgehend für die Öffentlichkeit gesperrt.

Siehe auch LVZ-Artikel vom 12.12.2017

Quellen:

[1]: Dr. Wolfgang Sperling: MÖLBIS Lexikon zur Geschichte des Dorfes, SÜDRAUM-VERLAG, 2012

[2]: CUR-Archiv